RIESENBUTZBACH. EINE DAUERKOLONIE - das im Rahmen der Wiener Festwochen 2009 entstandene Projekt von Christoph Marthaler und Anna Viebrock - wird als eine der zehn bemerkenswertesten Aufführungen des Jahres zum Berliner Theatertreffen 2010 reisen und damit "die Ehre des schweizerischen Theaterschaffens retten" (laut Tages-Anzeiger). Vom 14.-17. Mai wird RIESENBUTZBACH in einem Hangar des ehemaligen Berliner Flughafengeländes in Tempelhof gezeigt werden. Darüber hinaus wird das Stück am 17. Mai im Rahmen eines vom Berliner Theatertreffen organisierten Public Viewings im Sony Center am Potsdamer Platz sowie am 29. Mai um 20.15 Uhr auf dem Theaterkanal des Senders 3Sat ausgestrahlt werden.  

In ihrem RIESENBUTZBACH beschäftigen sich Christoph Marthaler und Anna Viebrock mit den Ängsten, Obsessionen und paranoiden Besitzstandswahrungsreflexen der mitteleuropäischen Spätmenschen. Noch einmal dürfen wir einen Blick auf unsere vergangene Konsumkultur werfen, in ihrer Minimalausgabe Riesenbutzbach: Familieneigenheim, Firma, Bank, Shoppingmall und Schlaflager in einem - zuzüglich einiger absonderlicher Garagen. Das Riesenbutzbach wird beständig von Sicherheitsexperten geprüft und ist mit Alarmanlagen, Sicherheitsschleusen, Beobachtungskameras ausgerüstet. Ein Familienvater?beobachtet durch eine Kamera seine Frau beim Aufräumen. Da niemand so genau weiß, was zu schützen oder zu bewachen ist, beobachten und bespitzeln?sich alle Bewohner untereinander. Hierarchien sind ausgeprägt und werden durch Intrigen stabilisiert. Die Hinterbringer haben eine eigene Firma gegründet. (Die Hinterbringer stehen Schlange, um kund zu tun, was wer über wen gesagt hat.) Geschützt werden materieller Reichtum und Privilegien. In ihren Albträumen haben sie schon alles verloren. Die Angst würde jeden zum Befürworter schrecklicher?Verbrechen machen. Die Bewohner des Riesenbutzbach halten sich für Repräsentanten einer wichtigen Kultur. Der Abend hinterfragt die Basis und?die Praxis dieser Kultur.

Pressen zu der Uraufführung in Wien lesen Sie hier.