Deckers Geschichten sind thematisch kaum auf einen Nenner zu bringen; sie beschäftigen sich mit Entdeckungsreisenden im Vorfeld des ersten Weltkrieges, Rock'n Roll und Revolution ebenso wie mit dystopischen Zukunfts- und Überwachungsszenarien. Die akribische Recherchearbeit im Vorfeld zeigt sich in der großen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der die Texte uns in ihre jeweiligen Welten führen.
Auch stilistisch hat uns Jan Deckers Schreiben sofort beeindruckt: durch die sprachliche Präzision, Klarheit und den ganz eigenen Klang, der sehr ungewöhnliche Figuren lebendig werden lässt, ohne ihnen ihre Geheimnisse zu nehmen.

Nach seinem Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig wurden Jan Deckers Stücke u.a. am Staatstheater Nürnberg und dem Theater Vorpommern uraufgeführt. Daneben arbeitet Jan Decker seit Jahren sehr erfolgreich für den Hörfunk; allein im letzten Monat gab es zwei erstklassig produzierte Ursendungen: BLACK BOX im WDR und WIE DIE 5. KOLONNE MOSKAUS ZU DEN INSTRUMENTEN GRIFF im SWR - weitere Projekte mit verschiedenen Sendern sind bereits in Planung.

Jan Deckers erstes Theaterstück im HS-Verlag ist ECKERMANN ODER EIN TODSCHÖNER UMWEG (noch frei zur UA!), das sich mit einer Leerstelle des deutschen literarischen Bewusstseins beschäftigt: Was geschah mit Eckermann nach Goethes Ableben? Oder, allgemeiner: Wie geht ein Mensch damit um, wenn der gewollt-ungewollte Fixstern seines Lebens ihm einfach abhanden kommt?

ECKERMANN ODER EIN TODSCHÖNER UMWEG (wahlweise 1 oder 2H, 1 Dek.)

Johann Peter Eckermann ist nach Goethes Tod in Weimar geblieben. Vom übermächtigen Schatten des Olympiers kann er sich nicht freimachen, auch nach Erscheinen der dreibändigen Gespräche mit Goethe nicht. Verarmt und vereinsamt haust er mit seinen Vogelkäfigen und Entwürfen zu einem vierten Band der Gespräche mit Goethe in seiner Stube.
Nun steht ihm Ärger ins Haus. Nach einer ungenehmigten Reise in die Lüneburger Heide will der Weimarer Hof seine Jahresrente von 360 Talern absetzen. Eckermann muss sich vor Johann Christian August Heinroth rechtfertigen, dem ersten Inhaber eines Lehrstuhls für psychische Therapie. Es geht um nicht weniger als Eckermanns Zurechnungsfähigkeit.

Ein Schauspiel über verpasstes Glück und verfehlte Selbstständigkeit, gespiegelt in der merkwürdigsten Symbiose der deutschen Literatur.