FRAU MÜLLER MUSS WEG
| Ein Auftragswerk des Staatsschauspiels Dresden 4D - 2H - 1Dek. UA: 22.1.2010 , Staatsschauspiel Dresden |
22.1.2010,Staatsschauspiel Dresden
Unterhaltsamer Klassen(zimmer)-Kampf
Uraufführung im Kleinen Haus: Lutz Hübners Komödie "Frau Müller muss weg" begeisterte das Publikum
Dieser Abend im Kleinen Haus (...) hat in vielerlei Hinsicht etwas mit einem Schlachtfeld gemeinsam. (...) Die einen bringen sich schon hinter dem erhöhten Bühnenpodest in Stellung. Fünf Eltern, die mit den Unterschriften von fast allen Eltern der Lehrerin der Klasse 4b, Frau Müller, das Vertrauen entziehen wollen. (...) Der Zeitpunkt des Kampfes ist wichtig: Es ist Herbst, der Beginn eines Schuljahres, an dessen Ende die Kinder wie Obst sortiert werden: Die Guten ins Gymnasium-Töpfchen, die nicht so Guten ins Mittelschul-Kröpfchen, die Faulen in die Hauptschule. (...)
Ein aktuelles Thema (...). (Hübner) ist ein exzellenter Beobachter und kann aktuelle, alltägliche Befindlichkeiten in witzige Bühnendialoge verwandeln. Das ist das Rezept seines anhaltenden Erfolgs auch über die Grenzen von Deutschland hinaus.
Ein Theaterabend mit kabarettistischen Zügen: das Thema aktuell und brisant, der Spaß riesengroß, und nach jeder Pointe wird geklatscht.
Mit seinem neuen Stück "Frau Müller muss weg" hat Lutz Hübner bei der Premiere am Freitag im Kleinen Haus das Publikum unisono erobert. Wiedererkannt hat sich aber offensichtlich niemand. (...)
Interessant wird die Geschichte durch überraschende Wendungen. Da gerät die Elternfront durch Interessenkonflikte plötzlich ins Bröckeln: Arbeitslose formieren sich gegen die Überarbeiteten, Ossis gegen Wessis, die Hausfrau gegen den Verdiener... Da werden Typen zu Figuren mit Innenleben.
Das überaus lebendige Bild einer von ihren pädagogischen Fähigkeiten überzeugten, durch die kollektive Ablehnung zutiefst verletzten Vollblutlehrerin zeichnet Rosa Enskat. Dass sie am Ende triumphiert, beruht auf einem grandiosen Missverständnis, das sich in einer wunderbaren Schlusspointe erweist und schlaglichtartig die ganze Scheinheiligkeit einer Spezies besonders besorgter Eltern entlarvt.
Jubelnd und mit ertapptem Lachen nimmt das Publikum die Uraufführung von "Frau Müller muss weg" auf.
(...) Mit seinem Stück hat der 45-jährige Autor Lutz Hübner seine Erfahrungen auf Elternabenden in drei Berliner Schulen zu einem Drama verdichtet, das (...) - nach dem Jubel und dem ertappten Lachen der Zuschauer zu urteilen - zu einem Publikumsliebling zu werden verspricht. Die fünf Erwachsenen, die sich zur Abordnung erklären, um Frau Müller abzusäbeln, bieten sich einen Kampf bis aufs Messer, um ihren Kindern eine Chance zu geben, aufs Gymnasium zu wechseln. (...)
Hübner verdichtet die alltägliche Situation eines Elternabends zu einem Kampf, in dem die Erwachsenen ihre eigene Unzulänglichkeiten mit ihren Kindern kompensieren wollen und ihnen deshalb für deren Fortkommen jedes Mittel recht ist.
(...) Insgesamt gilt: Wer Kinder hat, sich welche anschaffen möchte oder Eltern kennt, die an ihren Gören verzweifeln - hingehen!
Selten waren sich in Dresden das Publikum und das Theater so einig: Ja, genau so sind sie! Natürlich immer die andern, und das Theater zeigt sie wie aus dem "richtigen Leben" ausgeschnitten und auf die Bühne gestellt: die Spezies Eltern im Kampf gegen die Schule, die ihren Kindern die Zukunft verbaut.
